Neurowissenschaften, Ethik & Recht

Grenzen der Rechtsdurchsetzung

Die Bilder aus Haiti sind erschütternd. Ganz einfach und formlos online spenden kann man zB bei Unicef hier. Heute heißt es zB bei SpiegelOnline, Plünderer seien von der Polizei erschossen worden. Gleiches hörte man vor einigen Jahren aus den überschwemmten Gebieten der USA. Ich kann mich nur noch verwundert fragen, welchen Sinn die Aufrechterhaltung einer abstrakten Eigentumszuordnung in solchen Situationen noch hat. Es mag auch in Katastrophensituationen Gründe dafür  geben, etwa wenn Hilfsgüter gleichmäßig verteilt werden sollen. In diesem Fall aber scheint es sich um einen Supermarkt zu handeln. Drin liegt essen, draussen verhungernde Menschen. Ist plündern dann verboten? Ein berühmter deutscher Philosoph würde bekanntlich auch dann strafen, wenn die Welt morgen unterginge. Erst recht müsste dann wohl das Plündern verhindert werden, denn es gäbe “keine Not, die das, was unrecht ist, gesetzmäßig mache” (Kant).

Zum Glück sehen das viele anders, und so kennt unsere Rechtsordnung so etwas wie Solidaritätspflichten. Eine von ihnen wäre wohl das Dulden einer Plünderung meines Supermarktes, wenn das Essen draußen dringend gebraucht würde. Dagegen dürfte man sich nicht wehren, geschweige denn der Polizist schießen. Und trotzdem scheint die Aufrechterhaltung einer abstrakten Ordnung auch im größten Chaos ein so starkes Motiv zu sein, dass genau dies gerade geschieht. Ich versteh das nicht. Das ist Wahnsinn.

Fiat iustitia, et pereat mundus

Auch nicht so recht zu verstehen vermag ich etwa folgenden Kommentar. “Rüdiger Ehrler von der Deutschen Welthungerhilfe sagte: “Ich würde mich noch nicht trauen, Nahrungsmittel im größeren Umfang auszugeben.” In den Parks und auf freien Flächen, wo Tausende Menschen seit dem vergangenen Dienstag campieren, gebe es keinerlei Strukturen für eine Verteilung. ” (Spon). Offenbar prügeln sich die Leute ums Essen. Aber stattdessen nichts ausgeben, sondern warten, bis sich die Hungernden schön in der Schlange anstellen? Kann man das nicht vom fahrenden Laster schmeißen, alle 10m, oder per Hubschrauber oder so? Wird zwar nicht gerecht verteilt, aber immerhin ist was da?

You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed.